Kunst und Instagram - eine win-win-Situation?

Instagram feiert dieses Jahr das 10-jährige Jubiläum. Inwiefern hat Instagram die Kunstschaffenden, den Kunstmarkt sowie die Kunst beeinflusst und verändert?

 

Instagram zum Entdecken, Teil 1


Unter dem Titel "Gibt es gute Kunst auf Instagram?" ging der Kunstkritiker Jerry Saltz 2014 auf Instagram auf die Suche nach Bildern und schrieb: "Ich liebe es, mir Dinge anzuschauen, alles, jederzeit. Vor allem hier, in diesem noch wenig erschlossenen Gebiet – weil es weit offener und schräger ist, als es sowohl der immer strengere Konservatismus von Facebook wie der messerscharfe Witz von Twitter zulassen."


Entdeckt hat er den Account von Alphachanneling, welcher Zeichnungen und Bilder von "utopischer Erotik" auf Instagram präsentiert. Dazu meinte Jerry Saltz: "Eines Tages würde ich Alphachannelings Kunst gerne in echt sehen … Vielleicht gibt ihm ja ein Händler eine Chance. Vielleicht auch nicht." 


Gab es mittlerweile eine öffentliche Ausstellung von Alphachannelings Werken? Die Auflösung folgt weiter unten im Text.

 

Entdeckt werden dank Instagram


Im Beitrag von Jerry Saltz wurde auch der Kurator Hans Ulrich Obrist erwähnt. Auf seinem Instagram-Account thematisiert er mit seinem "Handwriting Project" seit 2013 das Verschwinden der Handschrift im digitalen Zeitalter. Noch heute ist Hans Ulrich Obrist täglich auf Instagram unterwegs. "Künstler können dort sichtbar werden, ohne über die Systeme Galerie oder Museum zu gehen."


Auch ich habe in meinem Blogbeitrag vom Januar 2017 unter dem Titel "Wie Künstler Social Media nutzen (könnten)" zu Instagram gesagt: "Ob man als professioneller Fotograf oder Kunstfotograf auf Instagram präsent sein sollte, ist 2017 keine Frage mehr, sondern eine Voraussetzung. Instagram ersetzt sozusagen das gedruckte Portfolio, dies gilt auch für andere Kunstschaffenden."


Verkaufen dank Instagram


Der Künstler Richard Prince stellte 2015 in New York grossformatige Drucke von fremden Instagram-Fotos aus und verkaufte sie für US$ 90'000. Die Urheber hat er nicht gefragt. Sein Vorgehen war fragwürdig. Viele reagierten gereizt, einige intelligent. Auf der Seite der Suicide-Girls wurden im Anschluss die Richard-Prince-Motive für US$ 90 verkauft, in der gleichen Größe und Technik.

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https://www.sueddeutsche.de/kultur/kunstmarkt-gefunden-und-verkauft-1.2499681-0


Instagram zum Entdecken, Teil 2


Das Finden von Trouvaillen auf Instagram ist schwieriger geworden. Klar, vielfach werden Listen mit Tipps erstellt. So hat Christies 100 art-world Instagram accounts to follow right now aufgelistet, unterteilt nach Artists, Curators, Directors and Gallerists, Collectors, Tastemakers und Museums and Galleries. Hier sind Entdeckungen meist Fehlanzeige, werden doch die üblichen Verdächtigen aufgelistet wie Banksy, Martin Parr oder Jeff Koons. 

Die Kunstwissenschaftlerin Anika Meier streift täglich durch die Galerien von Instagram und veröffentlicht regelmässig Beiträge zu Künstler*innen auf Instagram im Monopol-Magazin. So auch neulich, wo sie die aus ihrer Sicht 12 wichtigsten Kunstprojekte auf Instagram der letzten Jahre vorstellte.

Einige darin aufgelisteten Künstler*innen werden derzeit im Museum der bildenden Künste in Leipzig gezeigt. Nicht ganz überraschend, denn kuratiert wurde die Ausstellung "Link in Bio" von Anika Meier.  


Einmal instagrammability bitte 



Fotografieren in Museen ist mittlerweilen erlaubt, ja sogar erwünscht. Den Besuchern werden die Hashtags, mit welchem sie die Fotos und Video auf Instagram verbreiten können, am Empfang gleich bekannt gegeben.

Die Architektur, die Raumgestaltung und die Kunstobjekte überzeugen vielfach nicht nur Besucher vor Ort, sondern auch digitale Besucher – besonders bei Instagram, wie das Beispiel der Ausstellung von Rudolf Stingel in der Fondation Beyeler zeigt. 


Instagram für die Ewigkeit und Vergänglichkeit


Unvergessen bleibt für mich das Projekt von Amalia Ulman. Auf Instagram postete sie Selfies und informierte über ihre geplante Brustvergrösserung. Doch alles war nureine Show, eine Kunst-Performance. Die Arbeit wurde im Anschluss in Museen und Galerien gezeigt.  

Eine Banane kann man im Supermarkt kaufen, oder an einer Kunstmesse - für USS 120'000. Man kann sie dort auch gleich essen. 

Oder auf den Kopf kleben. Derzeit boomen die Augmented-Reality-Filter auf Instagram. Mit dem Spark AR Studio steht seit kurzem für alle ein Programm  zur Verfügung, mit welchem sie AR-Filter für Instagram erstellen können. 


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Selbstporträt mit dem AR-Filter Banana120 von www.instagram.com/skino.exe/

Einige finden AR-Filter spassig und kreativ (wie ich oder Philipp Meier mit der Kunsthalle für Gesichtsfilter, siehe Printscreen-Titelbild). Andere haben bereits von den Filtern "die Schnauze voll", was sich aber im Fall von Haneke Klaver auch wieder kreativ ausgewirkt hat.
 

Instagram zum Entdecken, 3. und letzter Teil


Ja, Instagram hat die Kunstszene verändert. Wie die erwähnte Instagram-Liste von Christies zeigt, befassen sich Kunst- und Kulturschaffende intensiv mit Instagram und suchen dort nach gewinnbringenden Interaktionen.

Und Ja, Entdeckungen auf Instagram sind noch möglich.


Und ja, ein Händler hat Alphachanneling die Chance gegeben, seine Werke in einer Galerie zu zeigen.

In diesem Sinn wünsche ich dir weiterhin viel Spass mit und auf Instagram. Und nicht vergessen, manchmal lohnt es sich die Vogelperspektive.

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https://www.instagram.com/ohdelele/